Interview mit den Übersetzern

Hallo!

Wir sind die Übersetzer des „Projekt Bakuman“. Heute wollen wir euch etwas über uns und unsere Arbeit am Projekt erzählen.

nano:
Soll ich dann anfangen?

Kaito:
Ja bitte xD;

nano:
Aaalso. Ich bin die nano~
Ich fansubbe schon seit mehr als 5 Jahren. Kann also behaupten, dass ich mich da ein wenig auskenne ;D Bin gerade mit meinem Japanologie-Studium fertig und übersetze schon länger Anime aus dem Japanischen. Gelegentlich auch mal Songtexte, nicht zuletzt für die Karaoke-AG unserer Uni. Dazu ist übrigens jeder aus Leipzig und Umgebung herzlich eingeladen xD

Dann bist du jetzt dran xD

Kaito:
Ich bin Kaito, der Neuling der Gruppe ohne jegliche Fansub-Erfahrung. Dadurch musste ich mir also erst viel beibringen lassen, um hier überhaupt mitmachen zu können. Zuvor hab ich nur aus Spaß paar Manga und Dōjinshi übersetzt, aber noch nicht allzu viele, da ich erst seit vier Jahren Japanisch lerne. Bin vor einem Jahr mit dem BA-Studium fertig geworden und mache derzeit mit dem MA weiter.

nano:
Dann sag mal, Kaito, wieso hast du dich denn überhaupt beim „Projekt Bakuman“ beworben?

Kaito:
Ich hab von dem Projekt bei einer News auf Animexx.de erfahren – übersetzen macht mir Spaß, Semesterferien standen vor der Tür, ich brauchte was zu tun (neben den Hausarbeiten) und ich mag Bakuman. Da dachte ich mir, wäre doch klasse, eine Serie, die man mag, auch noch offiziell mit übersetzen zu dürfen. xD

nano:
Ich fand die Idee des Projektes gut. Ich möchte einerseits damit die Bindung von Fans und Publishern stärken, auf der anderen Seite sah ich das als gute Möglichkeit, meine eigenen Fähigkeiten bei einem „offiziellen“ Projekt auf die Probe zu stellen. Darum hoffe ich auch auf viel Feedback von denjenigen, die sich den Anime ansehen werden. ^^

Kaito:
Stimmt, das ist eine gute Möglichkeit für uns. Auf viele Rückmeldungen hoffe ich daher auch.
Mich würde auch interessieren, gerade weil du schon ein „alter Hase“ beim Subben bist, wie du i.d.R. bei deiner Arbeit vorgehst. Also, was du zum Übersetzen so benutzt, wie der normale Arbeitsablauf beim Übersetzen bei dir aussieht …

nano:
Das hängt von der Quelle ab. Ich übersetze auch nicht jeden Anime aus dem Japanischen. Wenn es einen guten Engsub gibt, nehme ich den, weil es schneller geht. Und ich kann mir die Übersetzung ja trotzdem anhören und vergleichen, ob sie stimmt.

Wir Fansubber benutzen das Programm „Aegisub“. Angenommen, ich übersetze jetzt von einem englischen Fansub, dann schaue ich zuerst, ob die Untertitel separat zum Video gespeichert sind, damit ich sie mit Aegisub öffnen kann, oder ob die Untertitel ins Video „eingebrannt“ sind. Wenn ersteres der Fall ist, ist die Arbeit ziemlich einfach. Dann ersetze ich einfach den englischen Text durch meine Übersetzung. Das macht es auch für den Timer leichter. Gibt es kein Script, muss ich selbst eines erstellen. Damit hat der Timer dann mehr Arbeit, aber das ist auch nicht so dramatisch. ^^ Heutzutage gibt’s letzteren Fall aber kaum noch.
Wenn ich aus dem Japanischen übersetze, ist es auch so eine Sache. Manchmal findet man im Internet japanische Scripte, die in Japan als Untertitel für Hörgeschädigte ausgestrahlt wurden. Das ist ganz nützlich, kommt aber noch relativ selten vor. Da ich es blöd fand, immer in einem Player zurückzuspulen und den Text, den ich hören wollte, nur ungefähr zu treffen, lasse ich mir, bevor ich überhaupt etwas übersetze, zuerst ein Script anfertigen, das zwar getimt ist, wo aber nichts drinsteht. Es ist quasi leer. So kann ich mir in Aegi immer bequem die Zeile anhören, die ich gerade übersetzen möchte, wenn es eben kein japanisches Script gibt. Das ist aber auch schon nicht so leicht, weil man nicht immer gut versteht, was die Figuren gerade sagen.
Zum Glück haben wir bei Bakuman Skriptbücher, da erübrigt sich das mit dem Hinhören ^^ Und ich bin froh, dass mein Vorschlag, zuerst zu timen, angenommen wurde. Hätten wir wie im Test alles in eine Word-Datei übersetzen müssen, wäre ich wohl durchgedreht xD

Wie fandest du denn diese Methode? Bist du damit bzw. mit dem Programm schnell warm geworden oder hattest du irgendwelche Probleme damit?

Kaito:
Beim Übersetzertest fand ich es auch ziemlich mühsam, alles in einer Worddatei abzutippen. Daher war ich anfangs zwar überfordert, mich mit so einem unbekannten Programm anfreunden und auseinander setzen zu müssen, aber dank der guten Erklärung von dir klappte das relativ schnell. Und ich muss sagen, dass es auch für mich sehr viel bequemer ist und ich bei der Fülle an zu übersetzendem Text auch gar nicht mehr drauf verzichten wollen würde. Und die vorgetimten Folgen sind auch einfacher zu bearbeiten, das erspart einem viel Mühe. Dem Timer bin ich für seine Arbeit also sehr dankbar. Auch die Skriptbücher finde ich sehr praktisch, wobei ich sagen muss, dass ich sie zwar immer nebenher offen habe, aber froh bin, wenn ich nicht so oft reinsehen muss, da es nur nach Hören ja etwas schneller geht. Dennoch sind sie eine riesige Hilfe, wenn man mal was nicht versteht und es dann anhand des Texts nachschlagen kann. >3<

nano:
Ha ha, ja. Immer in die Skriptbücher zu schauen, würde die Arbeit wiederum verlangsamen, was? XD

Kaito:
Ja, wenn man es rein nach hören versteht, seh ich keinen Bedarf, noch mal den Satz zu lesen xD Aber wenn ich ihn nicht verstehe oder mir die Übersetzung komisch vorkommt, dann les ich zur Sicherheit lieber noch mal nach xD

Greifst du beim Übersetzen vom Japanischen ins Deutsche auf besondere Wörterbücher zurück?

nano:
Ich habe einige Wörterbücher hier. Das große Kanji-Lexikon von Langenscheidt hab ich glaube schon seit… hm… gut 10 Jahren. Das hat mir schon gute Dienste getan, aber ich benutze es nur noch selten. Es ist ein wenig unhandlich xD

Wenn ich am PC sitze, nutze ich meistens Wadoku. Zum Abgleich hält auch oft mein aus Japan importiertes „Denshi Jisho“, also mein elektronisches Wörterbuch, her. Ich möchte mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne mein Denshi Jisho wäre xD

(Darin ist auch der Duden gespeichert! UND es kann auch Sudoku xD)

Kaito:
Der deutsche Duden? O_O

nano:
Ja, es gibt nur diesen Duden 😀
Da sind auch so spaßige Sachen drin wie ein Zählwörter-Lexikon x3

Kaito:
Aaah das hat meins, glaub ich, auch xD Aber keinen Duden glaub ich ;_;

nano:
Das Übersetzen der Credits – fällt mir grad ein – ist allerdings eine ganz andere Geschichte. Da ist mitunter stundenlange Recherche nötig, um die richtige Lesung der Namen rauszufinden!

Kaito:
Uwaaaah stimmt >___<

Ich musste das ja nur ein Mal für das Opening machen, beim Ending ist das aber aufwendiger, da die Credits sich von Folge zu Folge verändern, ne? :/

Preisfrage: Wo schlägt man das am besten nach? XD

nano:
Ja. Nicht alle, aber doch einige. Da sitzt man schon mal ‚nen Nachmittag dran (wenn man zwischendurch nicht die Lust verliert – sonst dauert’s länger xD).

Wo man das nachschlägt? Also… Da habe ich so eine Methode…
Bei Synchronsprechern schaue ich zuerst auf der japanischen Wikipedia-Seite der jeweiligen Serie. Da stehen zumindest immer die Sprecher der Hauptcharaktere. Damit ist einem schon mal viel Arbeit abgenommen xD
Als Nächstes kommt AnimeNewsNetwork oder AniDB dran. Meist in Kombination mit einer Seite, die die Lesung der Kanji in Hiragana kovertiert, damit ich einen Anhaltspunkt habe. Hilft oft, aber nicht immer.
Wenn auch das nicht hilft, bleibt nur Google oder raten. xD

Viele Namens-Kanji kann ich inzwischen schon lesen, da ich das auch beim Fansubben häufiger mache, aber noch lange nicht alle. Wenn es nicht immer unterschiedliche Lesungsmöglichkeiten gäbe, wäre alles viel einfacher :/

Wie lange hast du denn etwa für das Opening gebraucht?

Kaito:
Öööh, so stundenmäßig wüsste ich das gar nicht zu sagen. Ich hab es auf jeden Fall an einem Nachmittag gemacht. Ich hatte auch Probleme, die verschiedenen „Positionsbezeichnungen“ (Regisseur etc.) herauszufinden – vor allem das deutsche Äquivalent. Für die Namen brauchte ich dann aber doch am längsten – das japanische Google und Wikipedia haben da auch am meisten geholfen.

Da fällt mir ein, dass wir auch die Credits zum Opening der „Super-Hero-Saga“ übersetzten und dort dieselben Namen verwendet wurden wie im richtigen Opening, nur ein wenig anders geschrieben (andere Kanji, gleiche Lesung oder einfach ein paar Silben ver- bzw. ausgetauscht). Das war irgendwie skurril, aber lustig. ^^;

nano:
Ja, das fand ich auch lustig xD

Kaito:
Mich würde auch interessieren: Hast du irgendwelche Rituale beim Übersetzen? (besondere Musik, Essen, Getränke, Arbeitszeiten … xD)

nano:
Puh, gar nicht mal so. Ich bin eine Frühaufsteherin, daher arbeite ich am liebsten vormittags. Essen oder trinken tue ich währenddessen eigentlich nie. Bestenfalls läuft mal der Fernseher im Hintergrund xD

Wenn ich abends übersetze kommen oft eher vermurkste Sätze raus x)
Und du?

Kaito:
Ich arbeite am liebsten, wenn ich allein daheim bin. Weil ich dann mehr Ruhe habe. Also entweder mittags bis drei oder vier oder ansonsten spät abends/nachts. Dann lenkt mich auch nichts und niemand ab und ich komme besser durch. Besondere Rituale habe ich hier eigentlich auch nicht.

Was liegt bei dir an „Werkzeug“ immer bereit, wenn du gerade am Übersetzen bist?

nano:
Das hängt auch wieder davon ab, was ich grad übersetze. Prinzipiell immer mein Denshi Jisho. Bei Bakuman jetzt hab ich das ausgedruckte Skriptbuch noch vor mir liegen, zusammen mit Marker und Bleistift, damit ich mir unverständliche Stellen, die ich erst mal überspringe, markieren und später erledigen und mir Notizen reinkritzeln kann.

Hast du da irgendwas Besonderes an „Werkzeugen“?

Kaito:
Das Denshi Jisho auf jeden Fall auch. Ist unverzichtbar. 😀 Ansonsten lege ich mir auch immer die deutschen Mangabände daneben, damit ich vor allem bei eingebürgertem Fachvokabular und Serientiteln nachschauen kann, wie die übersetzt wurden. So habe ich meine ursprüngliche Übersetzung mancher Werktitel innerhalb des Anime auch schon mal der dt. Fassung angepasst, damit man bei Vertrautem bleibt. Das Skriptbuch hab ich immer als Datei nebenher offen, damit ich in die PDF reinzoomen kann – als Ausdruck wird mir das oftmals zu klein und mein Drucker verwischt jap. Zeichen auch noch gern. D:

nano:
Ach stimmt, die hab ich hier auch liegen (die Manga). Da schaue ich aber eher selten rein, um mich nicht zu sehr von der Übersetzung beeinflussen zu lassen.
Ist aber auf der anderen Seite lustig, wenn man, nachdem man eine Stelle übersetzt hat, noch mal in den Manga schaut und denkt „Hm, (fast) so hab ich das auch übersetzt xD“ oder „Also DAS hab ich gaaaanz anders.“

Hast du solche Momente auch schon gehabt?

Kaito:
Oh ja, so einige. Wobei ich den Manga nicht auf Japanisch da hab und daher nicht weiß, ob der Text im Anime einfach anders war als im Manga oder die Übersetzung etwas freier gestaltet wurde. Aber es gab schon so einige Stellen, bei denen ich mir dachte, irgendwie kommt das so nicht hin. Gerade bei solchen Sätzen war dann die Rücksprache mit dem Editor für mich sehr hilfreich. Letzten Endes bleib ich dann doch immer bei meiner Übersetzung – nur bei bestimmtem Vokabular und Werktiteln pass ich mich dem Manga an (auch wenn nicht immer sonderlich gern). ^^

nano:
Das war ja von AoD auch so vorgegeben. Alles konnten wir ja nicht so machen, wie wir gerne wollten. Gab’s da auch Vorgaben, die dich sehr gestört haben?

Kaito:
Vielleicht liegt es daran, dass ich durch das Studium und die vielen Hausarbeiten mich mittlerweile ganz stark an ein bestimmtes Umschriftsystem bei der Transkribierung von Kanji und Kana in lateinische Schrift gewöhnt habe, aber mich störte vor allem die Umschrift der langen Laute, die im Sub quasi wegfielen. „Saiko“ würde ja eigentlich „Saikō“ und sein Partner „Shūjin“ gelesen. Für viele mag es keinen Unterschied machen, mir fehlt die Kennzeichnung der langen Laute, weil ich dann das Gefühl habe, es sei nicht „richtig“. Mit den anderen Vorgaben kann ich so weit gut leben, weil ich da noch keinen eigenen „Standard“ habe, an den ich so stark gewöhnt war. Nur die Aufforderung, die Texte immer wieder so kurz zu halten ist ein wenig ungemütlich, da wir uns ja bemühen, den gesprochenen Text so exakt wie möglich wiederzugeben und keine wichtigen Informationen rauszulassen. Da kommt es schon mal vor, dass zwei jap. Worte einen ganzen Teilsatz benötigen, den man nicht kürzen kann, wenn man keine relevanten Inhalte auslassen will. Aber da kann man irgendwie nichts machen; ich war eher froh, dass Herr Wache (als ich auf der Connichi die Gelegenheit hatte, mich kurz mit ihm zu unterhalten) dann irgendwo auch das Verständnis dafür hatte.

Gab es für dich Vorlagen, die dich gestört hatten?

nano:
Ja, das mit dem Kurzhalten ist schwierig, aber dadurch muss man umdenken und lernt dazu. Professionelle Übersetzer machen das ja auch nicht anders. ^^ Da muss ich mich aber auch erst dran gewöhnen, da das beim Fansubben ja kein Kriterium ist.
Das Einzige, was mich wirklich gestört hat, sind diese beiden Striche, wenn zwei Leute gleichzeitig reden. Das wäre in einem Fansub ein No-Go. Und es sieht auch nicht schön aus D:
Aber es gibt auch viel, was ich gut fand. Zum Beispiel, dass man uns gestattet hat, Typesets anzufertigen (und unser Typesetter Kyu macht das wirklich ausgezeichnet!), oder dass wir die Schriftart der Untertitel selbst auswählen durften.
Da muss ich sagen „Daumen hoch“ an Kazé/AoD, dass sie so kompromissbereit waren.

Was hat dir denn während der Arbeit am Projekt am meisten Spaß gemacht?

Kaito:
So viel dazuzulernen! XD Da ich vorher mit Fansubben leider nichts am Hut hatte, war es für mich spannend, mal „hinter die Kulissen zu blicken“, zu lernen, welche Arbeitsschritte es im Einzelnen gibt und wie diese aussehen. Ich denke, jeder freut sich, was Neues dazuzulernen und das war für mich hier eine ganze Menge. Da fällt genauso die Handhabung von Aegisub darunter wie auch eine rein sprachliche Weiterentwicklung – nicht nur durch die Übersetzungstätigkeit an sich, sondern auch über den regen Austausch mit den anderen (vor allem mi-Ka, der ja die von mir übersetzten Folgen editiert). Da kommen auch immer wieder gute Ideen und Ergebnisse bei rum. Und mein persönlicher Pluspunkt ist noch, dass ich ein großer Fan von Ōba und Obata bin – daher macht mir die Arbeit an dem Projekt an sich schon großen Spaß. Ich freue mich auch, etwas dazu beitragen zu können. :3

Und bei dir?

nano:
Bei mir war es vor allem, mit den anderen Projekt-Mitgliedern zu quasseln. Alle sind supernett und vor allem auch kompetent. Wir haben uns schon über das unsinnigste Zeug unterhalten. 😀

Es macht einfach Spaß, in dieser Kombination zusammenzuarbeiten.

Und zum krönenden Abschluss – Blitzfrage –
Nenne deinen Lieblingsmanga und -anime! ^^

(Du musst jetzt nicht mit „Bakuman“ antworten ;D)

Kaito:
DEATH NOTE! |D
Das ist meine Nummer eins. Als Anime und als Manga. XD

Bei dir? ^^

nano:
Manga: 7 Seeds
Anime: Death Note
\o/

Kaito:
DN FTW! XD

nano:
:3

Das war’s dann mit unserem Bericht. Ich hoffe, er hat euch gefallen. Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr gerne die Kommentarfunktion verwenden. ^^

Tschüssi~

Kaito:
Ich hoffe, dass das Projekt ein Erfolg wird und es in Zukunft vielleicht noch mehr solcher Projekte geben wird. Wir freuen uns auch über jegliche Form von Feedback! :3

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